Glutofen Borneo: Wenn El Niño den Regenwald entzündet
Wer an El Niño denkt, denkt oft an Fernreisen, extreme Wetterkarten oder Nachrichten über weltweite Hitzewellen. Doch was als Temperaturanstieg im Pazifik beginnt, verwandelt Borneos Regenwald regelrecht in einen Glutofen. Wenn die Dürre zuschlägt, werden ausgetrocknete Torfböden zu unterirdischen Brandherden und der dichte Rauch bedroht Mensch und Tier. Doch wie gefährlich ist das Wetterphänomen für das Überleben der Orang-Utans wirklich? Warum brennt der Boden selbst unter der Oberfläche? Und wie kämpfen die Einsatzkräfte der BOS Foundation gegen die Flammen, um die letzten Regenwälder zu retten?

El Niño auf einen Blick:
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Das Phänomen: El Niño erwärmt den Pazifik und bringt extreme Dürreperioden nach Südostasien.
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Die Bedrohung: Entwässerte Torfböden geraten leicht in Brand und glimmen unbemerkt meterdef unter der Erde weiter.
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Die Betroffenen: Orang-Utans verlieren Lebensraum und Nahrung; Rauch führt zu Atemwegserkrankungen (ISPA).
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Aktuelle Lage: Rettungsstationen wie Nyaru Menteng sind sicher, doch Brände im Schutzgebiet Mawas und gesunkene Flusspegel fordern Not-Evakuierungen.
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Unsere Massnahmen: Satelliten-Monitoring, eigene Feuerwehr-Teams, Wiedervernässung von Torfmooren und Aufforstung.
Was ist El Niño – und wie entsteht die Dürre?
El Niño beschreibt ein wiederkehrendes Wetterphänomen im tropischen Pazifik, das etwa alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im östlichen Pazifik ungewöhnlich stark. In der Folge schwächen sich die Passatwinde ab, die normalerweise warmes Wasser in Richtung Südostasien transportieren. Die Folge – das Klima in der Region kippt: Statt tropischer Feuchte kommt es in Südostasien zu extremen Dürreperioden. Die Niederschläge verlagern sich weit auf den Pazifik hinaus, was das globale Wettergefüge durcheinanderbringt.
Was, wenn der Regen ausbleibt: Borneos Natur im Ausnahmezustand
Auf Borneo führt El Niño vor allem während der Trockenzeit zu dramatischen Folgen. Flüsse, Sümpfe und Wasserreservoirs trocknen aus, während höhere Temperaturen Böden und Pflanzen die letzte Feuchtigkeit entziehen. El Niño selbst entzündet zwar keine Brände – die Ursache ist meist menschliche Brandrodung. Die ungewöhnliche Trockenheit sorgt jedoch dafür, dass sich kleine Feuer rasend schnell ausbreiten und ausser Kontrolle geraten. Der entstehende Rauch (Haze) hüllt schliesslich ganze Landstriche in eine giftige Dunstglocke.
Die unsichtbare Gefahr: Warum entwässerte Torfböden brennen
Besonders gefährlich sind Borneos riesige Torfmoorflächen. Natürlich feuchter Torf brennt kaum, doch da viele Gebiete für Plantagen entwässert wurden, sinkt der Grundwasserspiegel während eines El Niño extrem tief ab. Der trockene Torfboden fängt leicht Feuer. Diese Brände glimmen oft unbemerkt metertief unter der Oberfläche weiter, lassen sich kaum löschen und können Wochen später an ganz anderer Stelle wieder aufflammen. Dabei wird der eigentliche Kohlenstoffspeicher zu einer der grössten CO₂- und Feinstaubquellen der Region.
Gefahr für Mensch und Tier: Die Folgen von Hitze und Rauch
Für die Tierwelt bedeutet die Dürre akute Lebensgefahr. Die Vegetation bringt kaum noch Früchte hervor, Wasserstellen trocknen aus und Brände zerschneiden die verbleibenden Schutzgebiete. Besonders Orang-Utans leiden unter der Hitzewelle, da brennende Wälder ihre Schlaf- und Nistbäume zerstören und sie auf weniger nahrhafte Rinde oder Blätter ausweichen müssen. Der dichte Feinstaub führt bei vielen Tieren zu schweren Atemwegserkrankungen (ISPA) sowie Augenreizungen. Trennt ein Brand Mutter und Kind oder stirbt die Mutter an Nahrungsmangel, bleiben die traumatisierten Jungtiere allein zurück und müssen gerettet werden. Auf der Suche nach Nahrung weichen Orang-Utans zudem öfter in Plantagen aus, wo sie als „Schädlinge“ verfolgt werden. Auch für Menschen bedeutet der dichte Rauch eine massive Belastung: Er führt zu Atembeschwerden, Schulschliessungen, Ernteausfällen und wirtschaftlicher Not.

Aktuelle Lage vor Ort: Wie steht es um die BOS-Rettungsstationen?
Die Einsatzteams der BOS Foundation (BOSF) stehen während der El-Niño-Phase in ständiger Bereitschaft. Aktuelle Überwachungen zeigen, dass die Schutzzentren wie Nyaru Menteng und Samboja Lestari sowie wichtige Auswilderungsgebiete derzeit betriebsbereit und vor direkten Flammen sicher sind. Dennoch fordert die Trockenzeit ihren Tribut: Im Torfmoor-Schutzgebiet Mawas haben Brände bereits rund 49,5 Hektar betroffen. Durch gesunkene Flusspegel an den Vorauswilderungsinseln mussten zudem bereits 11 Orang-Utans sicher evakuiert werden, da die natürlichen Wasserbarrieren schwanden. Derzeit werden zudem 21 Tiere in den BOS-Rettungsstationen wegen Atemwegssymptomen tierärztlich versorgt.
Früherkennung und Wiedervernässung: So kämpfen wir gegen das Feuer
BOS setzt auf ein umfassendes Schutzkonzept, bei dem Früherkennung entscheidend ist. Die Teams überwachen Hotspots via Satellit und Drohnen, kontrollieren Brandschneisen und sichern Wasserquellen für die Löschmannschaften. Darüber hinaus unterstützt die feuerwehreigene Task-Force der BOSF die staatlichen Behörden bei Löscharbeiten weit über die eigenen Stationsgrenzen hinaus. Langfristig werden entwässerte Torfböden durch Dammbauten wieder vernässt und geschädigte Waldflächen gemeinsam mit lokalen Gemeinden wieder aufgeforstet.
Schützen Sie Borneos Regenwald und seine Orang-Utans vor den Flammen!
