Fürsorge ist keine Frage des Geschlechts

In den BOS-Rettungsstationen kümmern sich 32 Frauen um verwaiste Orang-Utan-Babys. Und 7 Männer.
Die Babysitterinnen sind das Rückgrat der Babyhäuser – Fürsorge gilt auf Borneo kulturell als “Frauenarbeit”. Doch in Samboja Lestari gehört einer zu den wenigen Männern, die täglich Windeln wechseln, trösten und gleichzeitig auf das Leben im Regenwald vorbereiten: Nurdiyono*.
Wenn er morgens seine Schicht in der BOS-Rettungsstation Samboja Lestari beginnt, weiss er nie genau, was ihn erwartet. Vielleicht eine Orang-Utan-Waise mit schlechter Laune, die mit Ästen wirft. Vielleicht ein verängstigtes Baby, das sich erst vorsichtig annähert. Sicher ist nur: 8 Stunden lang ist er ganz nah dran.

Der etwas andere Schulalltag
“Ein Moment hat sich mir besonders eingeprägt: Ich sass unter einem Baum und beobachtete die Waldschüler*innen, als der junge Orang-Utan Serge zu mir hinunter kletterte. Er kam ganz nah und legte seinen Kopf in meinen Schoss. Wie ein Kind, das Geborgenheit sucht. Solche Momente geben meiner Arbeit Sinn.”
Neben den täglichen Pflegearbeiten übt der 37-Jährige mit den Orang-Utans Nestbau, zeigt ihnen, welche wilden Früchte und Blätter essbar sind und wie sie sich sicher in den Baumkronen bewegen. Es sind Grundlagen, die später über Leben und Tod entscheiden.
Weitere wichtige Fähigkeiten bringt Nurdiyono von zu Hause mit: “Ich bin Vater von drei Töchtern. Vieles, was ich bei meinen Kindern lerne – Geduld, liebevolle Konsequenz, Nähe – fliesst in meine Arbeit ein. Und umgekehrt. Die Liebe, die ich meinen Kindern gebe, ist dieselbe, die ich den Orang-Utans schenke.”

Keine Angst vor Vorurteilen
Dass Fürsorgearbeit in Indonesien wie in vielen Teilen der Welt traditionell Frauen zugeschrieben wird, spürt auch er. Manchmal begegnen ihm Vorbehalte. Doch er hat gelernt, sich nicht davon beirren zu lassen. “Geduld und Fürsorge sind keine weiblichen Eigenschaften. Es sind menschliche Eigenschaften.”
Gleichzeitig weiss der Babysitter, dass Nähe immer mit Distanz enden muss. Ziel der Orang-Utan-Rehabilitation ist nicht Bindung, sondern Unabhängigkeit. Gegen Ende der bis zu 10 Jahre dauernden Rehabilitationsphase müssen sich die Orang-Utans von ihren Betreuenden lösen und selbstständig werden. Für Nurdiyono ist dieses Loslassen Teil seiner Verantwortung. “Meine Aufgabe ist es, sie auf ein Leben ohne mich vorzubereiten.”
Was Orang-Utans besser können als Menschen? “Klettern”, antwortet er, ohne zu zögern. Ihre Eleganz in den Baumkronen sei unerreichbar. Nurdiyono begleitet “seine” Orang-Utans nur ein Stück – bis sie dorthin zurückkehren können, wo sie uns weit überlegen sind.

Nurdiyono gibt alles
Helfen Sie ihm, seinem Team und seinen Schützlingen mit ...
- CHF 35 für 2 Uniformen. Durch das Klettern mit den Babys nutzen sie schnell ab.
- CHF 195 für einen Satz Gummistiefel für das Team.
- CHF 300 für Matratzen im Babyhaus, wo alle 2 Stunden Babys geschöppelt werden müssen.
*In Indonesien haben viele Personen einen einzigen Namen. Keinen Vor- und Nachnamen im westlichen Sinn.
