Wie sieht guter Orang-Utan-Tourismus aus?

Veröffentlicht19.03.2025

Selfie mit einem Orang-Utan? Ein Orang-Utan-Baby tragen? Herumtollen mit einem Orang-Utan? Wer sich das wünscht, wird beim BOS-Volontariat und seriösen Anbietern von Orang-Utan-Touren enttäuscht. Aber wie geht guter Orang-Utan Tourismus? Wir helfen weiter:

Bei der Planung eines Aufenthalts in einem Ferienland, stellt sich zunächst die Frage: Wie finde ich eine*n vertrauenswürdige*n Anbieter*in? Bereits in der Bewerbung des Angebots kann man sehen, ob Versprechungen gemacht werden. Dazu gehört die Garantie, Orang-Utans zu sehen. Wilde Tiere folgen ihren eigenen Plänen. Ausser sie werden angefüttert und kommen deshalb immer wieder zu einem bestimmten Platz. Dies ist ein tiefgreifender Eingriff in den Alltag der Tiere und sollte auf jeden Fall vermieden werden. Noch schlimmer ist das Versprechen, den Orang-Utan anfassen zu dürfen. Lassen Sie hier lieber die Finger weg.

Do´s vor Ort, wenn Sie ein Wildtier sehen:

  • Mindestabstand von 10 Metern einhalten
  • Sich ruhig und unaufgeregt verhalten
  • Fotos ohne Blitz schiessen

Den Anbietenden bitten, die Tour sofort abzubrechen, wenn die Orang-Utans ...

  • ... beginnen Kussgeräusche oder sogenannte Long-calls zu machen – vor allem die grossen Männchen warnen so Konkurrenten, bevor sie angreifen.
  • ... sich über längere Zeit nicht bewegen – es kann ein Anzeichen dafür sein, dass sie sich nicht sicher fühlen und sich z. B. in ihren Nestern verstecken. Dies kann im Extremfall tagelang der Fall sein, sodass sie z. B. die Nahrungsaufnahme vernachlässigen.

Der Stress, dem die Tiere ausgesetzt werden, kann gravierende Folgen haben. Es sind Fälle bekannt, in denen das Cortisol - also das Stresshormonlevel der Tiere - gemessen wurde und die Erhöhung desselben schädliche Folgen für das Immunsystem oder die Reproduktionsrate hatte.

Es gibt einige Unterschiede, was das Beobachten von wilden Orang-Utans und Orang-Utans, die sich in einem Rehabilitations-Prozess befinden, betrifft.

Zusätzliche Regeln, die sich die BOS Foundation als Artenschutz- und Rehabilitations-Projekt gibt:

  • Die Erhaltung der Art ist oberstes Ziel.
  • Das Wohlergehen der einzelnen Tiere steht über den Bedürfnissen der Touristinnen und Touristen.
  • Bildung ist ein Grundpfeiler der Arbeit.
  • Der Tourismus darf sich nicht auf das Verhalten der Orang-Utans auswirken.
  • Der Tourismus darf die Planungen für den Schutz und die Forschung nicht beeinträchtigen.
  • Ein angemessener Anteil der Einnahmen aus dem Tourismus sollte den lokalen Gemeinden, staatlichen und nichtstaatlichen Schutzprojekten und der Forschung zugute kommen.
  • Generell muss der Nutzen für die Orang-Utan-Arten die Risiken überwiegen.

Aus diesen Regeln resultiert, dass sensible Bereiche wie die Tierklinik, das Babyhaus oder die Waldschule nicht von Touristinnen und Touristen besucht werden können. Die Einschränkungen sind weniger streng, wenn es sich um Tiere handelt, die nicht mehr ausgewildert werden können. Bei diesen Tieren besteht nicht die Gefahr, dass sie sich zu sehr an Menschen gewöhnen und das ihr Leben in Freiheit einschränken könnte.

Generell gilt: Es gibt keinen Weg, Orang-Utans nahe zu kommen, ohne ihnen die Würde zu nehmen. Das Gute: Sie in ihrem natürlichen Lebensraum zu bewundern berührt uns tief, zeigt, dass alles zusammenhängt und gibt uns die Möglichkeit, einen Teil dazu beizutragen, Orang-Utans und ihre natürlichen Lebensräume zu erhalten. Danke, dass Sie mithelfen.